Die Karte der "Verborgenen Stadt" bringt Geschichten an genau die Orte zurück, an denen sie sich abgespielt haben

24.10.

Die Karte der "Verborgenen Stadt" ist das Ergebnis der Arbeit eines großen Teams von Historikern, Forschern, Zeitzeugen und weiteren Mitarbeitern mit einem gemeinsamen Ziel: die Geschichte Pilsens anhand von konkreten Orten und mit diesen verbundenen Ereignissen zu erzählen.
 
Der aktuelle Umfang der Karte ist keineswegs endgültig. Jeder kann etwas dazu beitragen: Es genügt, einen Punkt oder ein Thema vorzuschlagen, das auf der Karte fehlt, oder eine Person zu empfehlen, die etwas Interessantes weiß oder erlebt hat. Anregungen können per Email an mapa@skrytemesto.cz geschickt werden.

Die Karte kann auf zwei Arten betrachtet werden. Die klassische Kartenansicht ermöglicht es, die Punkte auf der Karte anzuzeigen und sie nach Zugehörigkeit zu einer bestimmten Zeit oder einer bestimmten Kategorie (z.B. Erinnerungen, bedeutende Ereignisse, Persönlichkeiten etc.) zu filtern. Gleichzeitig kann man sich auch an thematischen Punkten orientieren, die zu einer gemeinsamen inhaltlichen Linie gehören (z.B. "Die Geschichte des Bieres"). Die Karte wurde von einem Team aus Historikern und Publizisten unter der Leitung von Petra Svoboda und unter fachlicher Aufsicht von PhDr. Petr Koura Ph.D. erstellt.

Der Eiserne Vorhang - Verzweiflte Fluchtversuche durch die Todesdrähte
"Kamen" (dt.: Stein) - Grausames Theater der (Tschechoslowakischen) Staatssicherheit, Kreisverwaltung der Staatssicherheit, heute Polizei der Tschechischen Republik - Amtsbezirk Pilsen Mitte / Anglické nábřeží 1778/7, Pilsen

1950er Jahre
Hier, im regionalen Verwaltungssitz der Staatssicherheit, entstand die am genauesten geplante Provokationsaktion der Staatssicherheit in den fünfziger Jahren. Die Mitarbeiter der Staatssicherheit bauten Dienststellen des amerikanischen Abwehrdienstes direkt vor der Staatsgrenze zur DDR und Österreich nach und lotsten sich nach Freiheit sehnende Bürger dorthin.

Mitarbeiter der Staatssicherheit boten als vorgebliche Schleuser ausgewählten Personen an, sie gegen ein geringes Entgelt über die tschechoslowakische Grenze in den Westen zu bringen. Ihre Opfer führten sie dann über eine eigens errichtete falsche Grenze zu einem Posten des "deutschen Grenzschutzes". Von dort wurden sie in eine nachgebaute Dienststelle der amerikanischen Spionageabwehr CIC überstellt, deren Besatzung amerikanische Offiziersuniformen trug, die aus Pilsener oder Prager Theatern entliehen gewesen sein sollen. In den wirklichkeitsgetreu ausgestatteten Räumlichkeiten, in denen weder ein Portrait des amerikanischen Präsidenten noch eine Flasche amerikanischen Whiskeys fehlte, mussten sich die Flüchtlinge einer nachrichtendienstlichen Befragung unterziehen. Die meisten berichteten freiwillig im Detail von ihrer illegalen Tätigkeit gegen das Regime und erwähnten natürlich auch die Namen derer, die mit ihnen zusammengearbeitet hatten, sowie die Namen von Freunden und füllten den ausführlichen Fragebogen zum Antrag auf politisches Asyl aus. Manchmal schrieben sie sogar Briefe an ihre Nächsten in der Tschechoslowakei, die diesen angeblich zugestellt werden würden.

Nachdem sie die perfekt nachgestellte Dienststelle verlassen hatten, wurden die Flüchtlinge auf dem Weg in ein angebliches Flüchtlingslager festgenommen und in die Dienststelle der Staatssicherheit und anschließend ins Gefängnis gebracht. Unter der Last der Beweise, die sie selbst in den Fragebögen genannt hatten, wurden sie, ebenso wie ihre in den Verhören erwähnten Mitstreiter, zu langen Haftstrafen verurteilt.

Die Aktion "Stein" (manchmal auch "Kameny"/"Steine" genannt) wurde an mehreren Orten durchgeführt, z.B. in Všeruby/Neumark bei Domažlice/Taus, in Tři Sekery/Dreihacken bei Mariánské Lázně/Marienbad oder an einem Ort in der Nähe von Cheb/Eger.

Wer stand hinter der außergewöhnlich grausamen Aktion "Stein"?
Die Aktion "Stein" war eine der niederträchtigsten Aktionen der Staatssicherheit, da sie Menschen dazu brachte, unwissend nicht nur sich selbst, sondern auch ihren Nächsten zu schaden. Die Aktion wurde dutzende Male durchgeführt - bis heute konnten noch nicht alle Fälle nachgewiesen werden. Es heißt, dass die Aktion "Stein" nach dem Februar 1948 vom Kommandanten der regionalen Dienststelle der Staatssicherheit in Pilsen, JUDr. Josef Stehlík, alias Stelzer (1908 – 1989) erdacht wurde. An der Aktion waren die regionalen Dienststellen der Staatssicherheit in Pilsen, Karlovy Vary/Karlsbad und České Budějovice/Budweis beteiligt. Die Staatssicherheit beendete die Aktion Anfang der 50er Jahre aufgrund von Beschwerden der Amerikaner, die gegen den Missbrauch amerikanischer Staatssymbole in den nachgebauten amerikanischen Dienststellen protestierten.


An die Karte knüpfen auch weitere Aktionen des Projekts "Pilsen - Verborgene Stadt" an. Mehr Informationen sind unter www.skrytemesto.cz. zu finden.