Pilsen verabschiedet sich vom Titel Kulturhauptstadt Europas 2015

01.01.

Am 12.12.2015 wurde das Programm der Kulturhauptstadt Europas, das elf Monate und mit den aufwändigen Vorbereitungen insgesamt rund sieben Jahre gedauert hat, offiziell abgeschlossen. Es haben sich an ihm Hunderte Mitwirkende, örtliche und ausländische Partner und Institutionen beteiligt. Es hat Hunderttausende Touristen in die Stadt gebracht. Die renommierte europäische Marke, um die eine Reihe von Städten mit mehrjährigem Vorsprung ringt, hat die erwarteten positiven Effekte gebracht: den Anstieg der Besucherzahl, die Öffentlichkeitswirksamkeit und Attraktivierung von Pilsen als einer Stadt zum Leben, für den Tourismus und die Unternehmenstätigkeit sowie eine Belebung des kulturellen Potenzials vieler Orte und einbezogener Organisationen.

 

Dank dem Projekt ist Pilsen eine gefragte touristische Destination. Meiner Meinung nach ist die Realisierung gelungen, und ich betrachte das Programm als erfolgreich. Gleichzeitig besteht hier aber eine Verpflichtung gegenüber den kommenden Jahren, wir müssen die Nachhaltigkeit gewährleisten“, sagte der Oberbürgermeister der Stadt Pilsen Martin Zrzavecký. Als gelungene Veranstaltungen bezeichnete er zum Beispiel das Lichtfestival und die Bayerischen Kulturtage, von den langfristigen Projekten dann die Kreativzone DEPO2015. „Auf politischer Ebene führen wir jetzt eine Diskussion, in welchem Umfang das DEPO2015 weitergehen wird“, fügte der Oberbürgermeister hinzu.

Martin Baxa, der 1. Stellvertreter des Oberbürgermeisters für die Bereiche Kultur, Tourismus, Denkmalspflege und das Projekt Pilsen – Kulturhauptstadt Europas 2015 bilanziert: „Wir haben ein wichtiges Jahr hinter uns, in dem Pilsen zu einem gefragten Ort auf der Kulturkarte Europas geworden ist. Pilsen wurde von den verschiedensten tschechischen und ausländischen Künstlern besucht, das Programm war auch berühmten gebürtigen Pilsnern und Kulturschaffenden geweiht, seien es nun Jiří Trnka, Gottfried Lindauer oder Ladislav Sutnar, die so gewissermaßen symbolisch in ihre Stadt zurückkehrten. Es wurde ein tatsächlicher Pilsner Kunstschatz der Öffentlichkeit zugänglich gemacht – die Interieurs von Adolf Loos. Das außerordentlich reichhaltige Programm der Kulturhauptstadt Europas geht nun zu Ende, aber ich bin überzeugt, dass dies und jenes Projekt aus diesem Programm auch weiterhin fortgesetzt und zu einem ständigen Bestandteil des Pilsner Kulturangebots wird.

 

Die bisherigen Ergebnisse der Besucherzahlen deuten an, dass Pilsen im Jahre 2015 die beste aller Regionshauptstädte ist, was die Dynamik des Wachstums betrifft. In den ersten drei Quartalen verzeichnete es den höchsten Zuwachs der Touristenzahl gegenüber dem Vorjahr, also mehr als Prag, Brünn und auch Ostrava.

 

Durch die Tore des als Kreativzone DEPO2015 neu eröffneten ehemaligen Industriegeländes des Depots der Verkehrsbetriebe, wo wir Kultur mit Gewerbetätigkeit verbinden, schritten innerhalb von sechs Monaten um die 100.000 einheimische und ausländische Besucher. Nach den vorläufigen Ergebnissen nach dem dritten Quartal können wir bestätigen, dass die Gesamtbesucherzahl der Veranstaltungen der Kulturhauptstadt Europas eine Million Besucher bedeutend übersteigt, was sich positiv in den Erlösen der Pilsner Hotels, Restaurants und weiterer Dienstleistungsbetriebe widergespiegelt hat.

 

Bei der Touristenzahl brachten die diesjährigen Statistiken im Vergleich mit dem gewöhnlichen Jahr 2013 eine Zunahme der Übernachtungen in Höhe von 30 %. Die Direktorin der städtischen Organisation des Destinationsmanagements Pilsen-Tourismus, Zuzana Koubíková führt dazu aus: „In den ersten drei Quartalen wurden in Pilsen über 194.000 Gäste beherbergt, was 13,7 % mehr als im gleichen Zeitraum des vorigen Jahres sind. Die Anzahl der Übernachtungen in Pilsen betrug per 30. September mehr als 380.000, auch in diesem Fall handelt es sich um eine 13 %ige Zunahme. Im 3. Quartal, also im Laufe der Sommermonate, ist die Zahl der übernachtenden Gäste in Pilsen um 17 % angestiegen. Das betrachte ich hinsichtlich des extrem heißen Sommerwetters, das der Städtetouristik nicht gerade zuträglich ist, als ein ausgezeichnetes Ergebnis. Einen noch größeren Boom erlebt der Eintagstourismus. Die Anzahl der Kunden des Touristen-Informationszentrums ist um rund das Vierfache angestiegen. Von Januar bis Oktober haben wir 1070 kommentierte Besichtigungen des Stadtzentrums für mehr als 27.000 Personen organisiert, was ca.das Fünffache gegenüber dem vorigen Jahr ist, in dem im gleichen Zeitraum 218 Besichtigungen stattgefunden haben.“

Einen gewaltigen Wert hat auch das attraktive mediale Bild der Stadt, das der Titel Kulturhauptstadt Europas 2015 der westböhmischen Metropole eingebracht hat. „Über Pilsen sind im Zusammenhang mit dem Titel Kulturhauptstadt Europas um die 3.000 Artikel in tschechischen Medien und einige Hundert in ausländischen erschienen. Die Reportagen in der ausländischen Presse, im ausländischen Rundfunk und Fernsehen haben einen unschätzbaren Wert, einen solchen Werberaum hätten wir nie bezahlen können. Über uns haben zum Beispiel die britische BBC, das österreichische ORF, das deutsche ZDF und die ARD Beiträge aufgenommen. Einen Besuch von Pilsen hat wiederholt der Reiseführer von Lonely Planet empfohlen“, zählt die Pressesprecherin von Pilsen 2015 Mirka Reifová auf.

Die gemeinnützige Gesellschaft Pilsen 2015 beendet jedoch ihre Aktivitäten mit dem Dezember 2015 nicht. Langfristige Nachhaltigkeit war von Anfang an ein wichtiges Kriterium des Projektes Kulturhauptstadt Europas, auf das die Europäische Union und auch die Organisatoren selbst großen Wert legen. Sie haben deshalb einige erfolgreiche Veranstaltungen und mehrjährige Aktivitäten ausgewählt, an die sie in den kommenden Jahren anknüpfen werden. Unter ihnen sind zum Beispiel der von Freiwilligen gebildete Klub der Schutzengel sowie das Projekt Verborgene Stadt mit den beliebten Nachbarschaftsspaziergängen. Weitergehen werden die Lektorenprogramme und Bildungsprogramme für Unternehmensgründer, das Programm Artist in Residence und die Literaturabende in den Loos-Interieurs. In der Kreativzone DEPO2015 werden unter der Bezeichnung Makerspace weiterhin die offene Werkstatt und die Möglichkeit der Miete eines Coworking-Büros funktionieren. Auch die Liebhaber ungewöhnlicher Ausstellungen können von neuem herkommen. Das Pilsner Familienalbum wird weiter bis zum 31. Januar zu sehen sein. Bis Endes kommenden Jahres werden auf dem Hof weiterhin die riesigen Metallskulpturen von Čestmír Suška installiert sein. Neu werden die Besucher des Depots ab Februar eine Ausstellung unter dem Titel „Ins Kino“ sehen können. Im Mai werden sie unter der Bezeichnung „Abenteurer“ mit dem ungewöhnlichen Schicksal der Bewohner des Städtchens Stod (deutsch: Staab) und ihrer Umsiedlung nach Neuseeland bekannt gemacht. Die Ausstellungssaison im kommenden Jahr beschließt die Exposition „Der Kunststoff und seine Welt“. Im Programm des Jahres 2016 werden auch die Tanzshow „Electro Swing in der Hölle“, der DEPO STREET FOOD MARKET, das Lichtfestival, der Europäische Nachbarschaftstag, die Wochen des westböhmischen Barocks und die Bayerischen Kulturtage nicht fehlen.