Verneigung vor München

18.12.

Zugegeben, bei dem Wort "Pilsen" könnte einem zunächst einmal Bier in den Sinn kommen. Durchaus auch ein Kulturgut, weshalb die Auszeichnung "Europäische Kulturhauptstadt 2015" für die Stadt Pilsen auf Anhieb überzeugt. In diesem Jahr fiel in Brüssel die Entscheidung, Pilsen den begehrten Titel zu verleihen. Denn die tschechische Stadt hat außer ihrem berühmten Bier noch viel mehr zu bieten. Neben barocker Musik, Marionettentheater und Künstlern wie Bohumil Lindauer zum Beispiel Fußballkunst. "Auch wenn wir das in München nicht so schön vorgeführt haben", sagt Pilsnes Oberbürgermeister Martin Baxa mit einem Augenzwinkern in Anspielung auf das Champions-League-Desaster der Pilsener Mannschaft in Bayerns Landeshauptstadt.

OB Baxa ist zu Gast in München, um in der Villa Stuck gemeinsam mit seinen Landsleuten die geplanten kulturellen Projekte für das Jahr 2015 zu präsentieren. Denn Bayern und Tschechien - das wird an diesem Nachmittag, zu dem auch Europaministerin Beate Merk gekommen ist, deutlich - wachsen nach einer bewegten Geschichte wieder zu engen Partnern zusammen. Pilsen ist Sinnbild dafür: Hier befindet sich das Koordinierungszentrum des Deutsch-Tschechischen Jugendaustausch, die Stadt ist Regensburgs Partnerstadt. Von Regensburg nach Pilsen sind es knapp 170 Kilometer. Über diese Strecke möchten die Veranstalter Klangbrücken bauen. Deshalb werden auch Künstler aus Bayern das Kulturprogramm mitgestalten.

"So wächst zusammen, was nie hätte getrennt werden dürfen", sagt Beate Merk, die sich begeistert zeigt von dem Einsatz und dem "Herzblut", das die tschechischen Freunde in das große Projekt stecken."Gerade in Zeiten, in denen die Europa-Skepsis wächst, müssen wir die kulturelle Vielfalt stärken - das schafft gemeinsame Identität", betont die neue Europaministerin. Pilsen biete hierzu eine hervorragende Gelegenheit.

Unter dem Motto "Pilsen open up!" möchte sich die Stadt auf allen Ebenen öffnen - "sowohl konkret, als auch im übertragenen Sinne. Um auch die letzten Reste des totalitären Erbes abzuschütteln", betont Oberbürgermeister Baxa. So wird es unter anderem während der Sommermonate eine Reihe von Open-Air-Veranstaltungen geben, um mit dem Programm möglichst vielen etwas zu bieten. Und das in alle Stadtbezirken: "Wir wollen ganz Pilsen mit unseren Projekten umschließen, damit jeder Bürger eingebunden ist", sagt Jiří Sulženko, der Programmdirektor. Im besten Fall so bürgernah, dass jeder in Pantoffeln über die Straße gehen und gleich den nächsten kulturellen Höhepunkt erleben könne.

Für Münchner Gäste des Fests besonders interessant: Die Ausstellung "München - die strahlende Kunstmetropole", die in der Westböhmischen Galerie in Pilsen zu sehen sein wird. Galerie-Direktor Roman Musil: "Hier möchten wir in Zusammenarbeit mit dem Lenbachhaus und der Villa Stuck tschechische Künstler präsentieren, die in München gewirkt haben. Um zu verdeutlichen, dass es schon immer einen europäischen Kulturaustausch gegeben hat. Und München eines der wichtigsten Zentren dieses Austauschs war."

Am 17. Januar 2015 beginnt das Programm (www.visitplzen.eu) mit einer Eröffnungsfeier, zu der der Bürgermeister schon jetzt "die bayerischen Freunde" einlädt: "Kommen Sie alle! Wir freuen uns über jeden von Ihnen!"

Quelle: Münchner Merkur, Montag, 2. Dezember 2013, Katja Kraft

Quelle: www.bbkult.net