Was bringt der Titel Kulturhauptstadt Europas für die Stadt Pilsen und für die Region Pilsen mit sich?

Während der Zeit seines Bestehens hat das Projekt Kulturhauptstadt Europas wertvolle Beiträge in den Städten geleistet, die weder den Vorbereitungsprozess unterschätzt noch die Zielsetzung der nachhaltigen Entwicklung der Stadt und der Region auf Grundlage der Kreativität vernach- lässigt haben. 

Der Titel hatte bisher für alle Städte eine langfristige positive Auswirkung in den Bereichen der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung, in der Zunahme des Tourismus, in der Erneuerung von Kultureinrichtungen und der Infrastruktur und der Entwicklung der kreativen Industrie mit Arbeitsplätzen.

Zum Beispiel hat die Stadt Liverpool im Jahre 2008 9,7 Millionen mehr Touristen angelockt und aus dem Titel einen Nettogewinn von 800 Mio. Pfunds geschöpft, wobei das Projekt an und für sich 117 Mio. Pfund gekostet hat. Im österreichischen Graz hat das Projekt Kulturhauptstadt Europas zusätzliche Erlöse aus dem Tourismus in der Höhe von 74 Mio. Euro generiert und einen langzeitigen wirtschaftlichen Beitrag für das Bruttoinlandsprodukt geleistet (die Ausgaben von Touristen mit mehrtägigem Aufenthalt haben ca. 21 Mio. € betragen). Die Region Ruhrgebiet-Essen hat dank dem Projekt mehr als 6,5 Millionen Touristen angelockt (Zunahme um 13,4 %), die durch die Übernachtungen in Hotels eine zusätzliche Bruttoeinnahme von ca. 90 Mio. € erbracht haben.

Das Jahr 2015 wird damit für Pilsen das Jahr der Gelegenheiten. Es wird bei den lokalen Wirtschaftsakteuren liegen, was sie aus den angestoßenen Entwicklungen machen. Es besteht kein Zweifel, dass uns im Jahre 2015 sowohl aus der ganzen Tschechischen Republik, als auch aus dem Ausland viel mehr Menschen als in den Vorjahren besuchen werden. So hat doch der renommierte Reiseführer Lonely Planet hat die Stadt Pilsen bereits für das Jahr 2014 unter die zehn europäischen Top-Destinationen ausgewählt.

Den wirtschaftlichen Effekt des Projektes kann man vereinfacht in drei Kategorien teilen. Die Zunahme der Besucher, die Verlängerung ihres Aufenthaltes in der Stadt, die Zunahme der Anzahl der Übernachtungen werden eine direkte Auswirkung auf die wirtschaftlichen Ergebnisse der Dienstleistungsanbieter haben.

Die große Bekanntheit des Projekts weltweit hilft bedeutend den traditionellen lokalen Produkten. Im nächsten Jahr haben wir Gelegenheit, die Welt daran zu erinnern, warum man Biere in der ganzen Welt „Pils“ nennt, wie das Kraut aus Křimice schmeckt, woher das Prestice-Schwein stammt, wo die Chodenland-Kuchen gebacken werden. Und wo die Škodawerke die Straßenbahnen bauen.

Die hiesigen Unternehmer sollten auch die Bedeutung der sog. Kulturdiplomatie nicht außer Acht lassen. Für das nächste Jahr hat bereits eine Reihe von Kongress- und Konferenzveranstaltern gemeldet, dass sie gerade Pilsen als Ort ihres Treffens ausgewählt haben. Eine gemeinsame kulturelle und emotionale Erfahrung vermag die Geschäftsbeziehungen besser als alles andere zu festigen.

In das Projekt investieren unter anderem japanische Firmen Millionen von Kronen, um die Kultur würdig zu repräsentieren. Das Geschäft geht gewissermaßen selbstverständlich mit; und wann wird es der Stadt Pilsen ein nächstes Mal gelingen, dass die Vertreter von Firmen zu uns kom- men, die insgesamt beinahe einen Umsatz wie eine kleineres mitteleuropäisches Land haben?

Das Projekt Kulturhauptstadt Europas wird oft als eine großspurige Veranstaltung aus öffent- lichen Mitteln kritisiert. Ja, sie kann eine teure und überflüssige Veranstaltung sein, falls es nicht gelingt, das Potential, das sie in sich trägt, voll auszuschöpfen. Pilsen wird sich im Jahre 2015 und auch in den kommenden Jahren bemühen, die investierten Mittel und Energie in den wirtschaft- lichen Aufschwung der Stadt und der Region umzumünzen. Damit sich jede investierte Krone mehrfach auszahlt.